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Ab welchem Stromverbrauch lohnt sich ein Energiemanagementsystem?

Ein professionelles Energiemanagementsystem kann sich für Unternehmen ab einem Stromverbrauch von ungefähr 200.000 kWh pro Jahr wirtschaftlich rechnen. Bei passenden betrieblichen Voraussetzungen ist eine Amortisationszeit von weniger als sechs Jahren möglich. Ab einem Jahresverbrauch von etwa 500.000 kWh kann sich die Investition teilweise bereits in weniger als drei Jahren amortisieren.

Digital vernetztes Energiemanagement eines Produktionsbetriebs mit Lastkurve, Photovoltaik und Batteriespeicher

KI-generiertes Symbolbild.

Der Stromverbrauch allein ist jedoch nicht entscheidend. Auch Lastspitzen, Stromtarif, Photovoltaikanlage, Batteriespeicher, Ladeinfrastruktur und die Flexibilität der Verbraucher beeinflussen die Wirtschaftlichkeit.

Kurzantwort

Stromverbrauch pro Jahr

Erste Einschätzung

Unter 100.000 kWh

Professionelles Energiemanagement häufig schwer wirtschaftlich darstellbar

Ab 200.000 kWh

Wirtschaftlichkeit stark von Lastspitzen, PV, Speicher und Verbrauchsstruktur abhängig

Ab 500.000 kWh

Bei geeigneten Voraussetzungen sind auch weniger als drei Jahre möglich


Wichtig: Diese Werte sind keine starren Grenzen. Ein Betrieb mit 180.000 kWh und hohen Lastspitzen kann ein größeres Einsparpotenzial haben als ein Unternehmen mit 300.000 kWh und sehr gleichmäßigem Verbrauch.

Was ist mit einem Energiemanagementsystem gemeint?

Ein technisches Energiemanagementsystem, kurz EnMS, erfasst, analysiert und steuert die Energieflüsse in einem Unternehmen. Es verbindet wichtige Erzeuger, Speicher und Verbraucher zu einem gemeinsamen System.

Dazu können gehören:

  • Photovoltaikanlagen und Batteriespeicher
  • Strombezug aus dem Netz
  • Produktionsmaschinen
  • Kompressoren, Pumpen und Kälteanlagen
  • Wärmepumpen und elektrische Heizsysteme
  • Ladeinfrastruktur für Stapler, Pkw und Lkw
  • Wetter- und Erzeugungsprognosen
  • dynamische Strompreise
  • Mess- und Lastgangdaten

Das EnMS entscheidet beispielsweise, wann ein Speicher geladen oder entladen wird, welche Verbraucher verschoben werden können und wie eine bevorstehende Lastspitze vermieden wird.

Hier ist ein technisches Energie- und Steuerungssystem gemeint. Es ist von einem organisatorischen Energiemanagement beziehungsweise einer Zertifizierung nach ISO 50001 zu unterscheiden.

Warum lohnt sich ein professionelles EnMS bei kleinen Verbräuchen häufig nicht?

Ein professionelles System verursacht Kosten für:

  • Planung und Energiedatenanalyse
  • Messgeräte und Stromzähler
  • Steuerungstechnik und Kommunikation
  • Software und Visualisierung
  • Schnittstellen zu bestehenden Anlagen
  • Programmierung und Inbetriebnahme
  • laufende Betreuung und Optimierung

Die Investition erreicht daher schnell einen fünfstelligen Betrag. Bei geringem Stromverbrauch ist zugleich die absolute Einsparung begrenzt. Selbst eine prozentuell gute Verbesserung kann dann zu wenig jährlichen Nutzen bringen, um das System in einem wirtschaftlich interessanten Zeitraum zu finanzieren.

Ab 200.000 kWh wird Energiemanagement interessant

Ab ungefähr 200.000 kWh Jahresstromverbrauch ist eine detaillierte Prüfung in vielen Fällen sinnvoll. Bei geeigneter Verbrauchsstruktur kann ein professionelles EnMS:

  • den PV-Eigenverbrauch erhöhen
  • teure Lastspitzen vermeiden
  • günstige Stromstunden nutzen
  • den Netzbezug reduzieren
  • Stapler und Fahrzeuge intelligent laden
  • einen Batteriespeicher besser auslasten
  • Heizung, Kühlung und Warmwasser steuern
  • unnötige Gleichzeitigkeiten vermeiden
  • den vorhandenen Netzanschluss besser nutzen

Wenn mehrere dieser Möglichkeiten vorhanden sind, kann eine Amortisationszeit von weniger als sechs Jahren realistisch sein.

Ab 500.000 kWh sind auch weniger als drei Jahre möglich

Bei Unternehmen mit einem Jahresstromverbrauch ab etwa 500.000 kWh steigt der absolute Wert jeder eingesparten Kilowattstunde. Größere Betriebe bieten häufig auch mehr steuerbare Energieflüsse.

Typische Beispiele sind:

  • mehrere große elektrische Verbraucher
  • ausgeprägte Lastspitzen
  • größere Photovoltaikanlagen
  • Schicht- oder Produktionsbetrieb
  • Kühl- und Kälteanlagen
  • elektrische Staplerflotten
  • Ladeinfrastruktur für Firmenfahrzeuge
  • Wärmepumpen oder elektrische Prozesswärme
  • dynamische oder spotmarktbasierte Tarife

Wenn das Energiemanagement mehrere dieser Bereiche gleichzeitig optimiert, kann eine Amortisationszeit von weniger als drei Jahren erreichbar sein. Auch diese Größenordnung ist keine Garantie: Sie muss anhand realer Energiedaten, Investitionskosten und technisch nutzbarer Flexibilität berechnet werden.

Nicht nur der Jahresverbrauch entscheidet

Höhe und Dauer der Lastspitzen

Kurze Leistungsspitzen können hohe Netzkosten verursachen. Lassen sie sich mit einem Speicher oder einer Verbrauchersteuerung reduzieren, kann ein EnMS auch bei niedrigerem Jahresverbrauch interessant sein.

Zeitlicher Verlauf des Verbrauchs

Zwei Unternehmen mit gleichem Jahresverbrauch können vollkommen unterschiedliche Potenziale haben. Ein gleichmäßiger Verbrauch ist anders zu bewerten als ein Betrieb mit starken täglichen Schwankungen.

Vorhandene oder geplante Photovoltaikanlage

Ein EnMS kann Verbraucher, Speicher und Ladepunkte an die aktuelle PV-Produktion anpassen und so den Eigenverbrauch erhöhen.

Flexibilität der Verbraucher

Stapler, Elektrofahrzeuge, Wärmepumpen, Kälteanlagen oder Warmwasserspeicher lassen sich häufig innerhalb klarer Grenzen zeitlich verschieben.

Stromtarif und Netzkosten

Bei dynamischen Tarifen verändern sich die Energiepreise im Tagesverlauf. Je größer die Preisunterschiede und je höher die Flexibilität, desto interessanter wird eine automatische Steuerung.

Zukünftige Veränderungen

Neue Maschinen, zusätzliche Schichten, eine größere PV-Anlage oder die Elektrifizierung des Fuhrparks verändern den Bedarf. Das EnMS sollte deshalb nicht nur für den heutigen Betrieb ausgelegt werden.

Welche Rolle spielt der Batteriespeicher?

Ein Batteriespeicher macht Energie zeitlich verfügbar und gibt dem EnMS zusätzliche Handlungsmöglichkeiten. Er kann:

  • PV-Überschüsse aufnehmen
  • Energie in teuren Stunden bereitstellen
  • Lastspitzen abfangen
  • günstigen Netzstrom für später speichern
  • Ladeinfrastruktur unterstützen
  • den Netzanschluss entlasten
  • je nach System eine Notstromreserve bereitstellen

Ein Speicher ist jedoch nicht automatisch wirtschaftlich. Leistung und Kapazität müssen anhand von Lastgang-, Erzeugungs- und Preisdaten dimensioniert werden. Eine willkürliche Auslegung kann die Wirtschaftlichkeit des gesamten Systems verschlechtern.

Mehrere Einsparungen gleichzeitig verbinden

Der Vorteil eines übergeordneten Energiemanagements liegt darin, dass es nicht nur eine einzelne Anlage optimiert. Ein mögliches Zusammenspiel:

  1. Die Photovoltaikanlage produziert am Nachmittag einen Überschuss.
  2. Das EnMS lädt damit den Batteriespeicher und verfügbare Firmenfahrzeuge.
  3. Die Wärmepumpe erzeugt Wärme oder Warmwasser auf Vorrat.
  4. Für den Abend wird Speicherkapazität für eine hohe Lastspitze reserviert.
  5. Stapler laden erst in günstigeren Nachtstunden.
  6. Am nächsten Morgen reduziert der Speicher eine weitere Verbrauchsspitze.

So kann dieselbe technische Infrastruktur mehrere wirtschaftliche Vorteile verbinden.

Wie wird die Rentabilität berechnet?

Für eine belastbare Berechnung sollten mindestens folgende Daten ausgewertet werden:

  • Jahresstromverbrauch und aktuelle Stromkosten
  • Lastgangdaten in möglichst genauer zeitlicher Auflösung
  • höchste Leistungsspitzen
  • Betriebs- und Schichtzeiten
  • PV-Erzeugung und PV-Überschüsse
  • flexible Verbraucher
  • geplante Ladeinfrastruktur
  • Wärme- und Kältebedarf
  • vorhandene Netzanschlussleistung
  • mögliche Speicherleistung und Speicherkapazität
  • Investitions- und laufende Betriebskosten

Anschließend werden unterschiedliche Szenarien simuliert – etwa eine Optimierung ohne Speicher, verschiedene Speichergrößen, Peak Shaving, dynamische Strompreise oder die Verbindung von PV, Speicher, Mobilität und Wärme.

Rechenbeispiel zur Amortisation

Investiert ein Unternehmen beispielsweise 30.000 Euro in Mess-, Steuerungs- und Energiemanagementtechnik und spart damit jährlich 7.500 Euro, beträgt die einfache Amortisationszeit vier Jahre.

Eine vollständige Wirtschaftlichkeitsberechnung berücksichtigt zusätzlich:

  • Software- und Betreuungskosten
  • Wartung und mögliche Ersatzinvestitionen
  • Finanzierungskosten
  • Wirkungsgradverluste eines Speichers
  • Veränderungen der Strompreise
  • Alterung einzelner Komponenten
  • mögliche Förderungen

Fazit: Ab 200.000 kWh sollte Energiemanagement geprüft werden

Ein professionelles Energiemanagement verursacht schnell fünfstellige Kosten. Bei Unternehmen mit geringem Verbrauch stehen diesen Investitionen häufig nur begrenzte Einsparungen gegenüber.

Ab etwa 200.000 kWh Jahresverbrauch kann eine Amortisation von weniger als sechs Jahren realistisch sein. Ab ungefähr 500.000 kWh sind bei passenden Voraussetzungen auch weniger als drei Jahre möglich.

Der Jahresverbrauch ist aber nur der Ausgangspunkt. Entscheidend sind Lastgang, Leistungsspitzen, PV-Erzeugung, Speicher, Stromtarif und die Flexibilität der Verbraucher. EcoChange Consulting analysiert diese Daten und simuliert unterschiedliche Szenarien, um die wirtschaftlich passende Lösung zu bestimmen.

Häufig gestellte Fragen

Ab wie vielen kWh lohnt sich ein Energiemanagementsystem?

Als Orientierung kann eine Prüfung ab etwa 200.000 kWh Stromverbrauch pro Jahr sinnvoll sein. Bei starken Lastspitzen oder komplexer Energieinfrastruktur kann sich ein EnMS auch unterhalb dieses Werts rechnen.

Wie schnell amortisiert sich ein Energiemanagementsystem?

Ab rund 200.000 kWh Jahresverbrauch kann bei geeigneten Voraussetzungen eine Amortisationszeit unter sechs Jahren möglich sein. Ab etwa 500.000 kWh kann sie teilweise unter drei Jahren liegen.

Was kostet ein professionelles EnMS?

Die Kosten hängen von Messpunkten, Schnittstellen, Steuerungstechnik und Komplexität ab. Professionelle Systeme erreichen einschließlich Planung und Integration schnell einen fünfstelligen Betrag.

Braucht ein EnMS immer einen Batteriespeicher?

Nein. Ein EnMS kann auch ohne Speicher Verbraucher steuern und Energieflüsse optimieren. Ein Speicher erweitert jedoch die Möglichkeiten, Strom zeitlich zu verschieben und Lastspitzen zu reduzieren.

Welche Daten werden für die Planung benötigt?

Besonders wichtig sind aktuelle Lastgangdaten, Stromrechnungen, Leistungsspitzen, Betriebszeiten, PV-Erzeugungsdaten und Informationen über große oder flexible Verbraucher.Der Stromverbrauch allein ist jedoch nicht entscheidend. Auch Lastspitzen, Stromtarif, Photovoltaikanlage, Batteriespeicher, Ladeinfrastruktur und die Flexibilität der Verbraucher beeinflussen die Wirtschaftlichkeit.

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